"Center for Equality", Exhibition at Center, Berlin
"Zentrum für Gleichstellung", 2005 im "Center" in der Kurfürstenstraße, Berlin. Der Ausstellungsraum befíndet sich im Erdgeschoß eines in den neunziger Jahren im postmodernen Stil errichteten Wohnkomplexes zwischen Kurfürsten- und Bülowstraße.
Pressetext
"vexierspiegel, m., ein spiegel, der ein verzerrtes bild zurückwirft oder überhaupt nur scheinbar ein spiegel ist und ein ganz anderes bild sehen läszt, oder sonst auf irgendeine weise den hineinschauenden neckt, foppt, betrügt, welche ein ding, so man in denselben beschauet z. e. das bildnisz eines menschen lächerlich vorstellen, weil ihre fläche gantz irregulair, z. e. halb cylindrisch, halb flach u. s. w. ist, daher ein theil z. e. des gesichts zu grosz, der andere zu klein, zu lang oder zu breit erscheinet. allgem. haushalt. lexicon, gebr. grimm
Der Galerieraum befindet sich im alten Grenzland der Berliner Mauer zwischen den Stadtteilen Tiergarten und Schöneberg. Seit vielen Jahrzehnten findet sich hier im Schatten alter Gtründerzeitbauten und ehemaliger Mietskasernen ein enges Nebeneinander von selbstorganisierten Kinderläden, Kiosken, Swinger-Clubs, Bars, Stundenhotels, einem Sexkaufhaus und Büros städischer und nichtstaatlicher Betreuungsangebote für sozial benachteiligten Gruppen. Der Ursprung dieses besonderen Gemengelage liegt in der Geschichte dieses Quartiers begründet.
Bereits seit dem 19. Jahrhundert ist dieser Wohnort unterpriveligierter Arbeiter und Kleinbürger zwischen Kurfürsten- und Potsdamer Straße und dem angrenzende Bülowbogen geprägt durch Straßenprostitution. Diese soziale Mischung begünstigte ein Klima der Duldung weiterer an den gesellschaftlichen Rand gedrängten Gruppen wie den Schwulen und Lesben, die sich im Dorian Gray, einer Bar an der Bulowstraße oder dem Nationalhof trafen. Daneben blühten hier aber auch Drogenhandel und Kriminalität auf.
Stephan Gripps Installation bezieht sich auf diese, das Viertels prägenden Orte, die mehr oder weniger außerhalb gesellschaftlicher Normen existier(t)en. Sie funktionieren nach ihren eigenen Regeln und reflektieren damit die herrschenden gesellschaftliche Verhältnisse, indem sie sie repräsentieren, negieren oder umkehren. Wie ein Setting oder Bühnenbild kombiniert und verdichtet die Installation diese Orte, in dem sie, ähnlich wie Bert Neumanns Bühnenbilder für Rene Polleschs "Stadt als Beute", Einrichtungselemente verschiedenster Orte und Interieurs rekombiniert. Dabei ist die Machart der Objekte in einer eigentümlichen Art verschroben und teilweise unfertig oder disfunktional und führt den Betrachter geadewegs hinein in ein befremdliches Traumgeschehen.