"Klarinette W. Allen", Exhibition at Gallery Kai Hoelzner, Berlin
Installation view: Klarinette W. Allen, Galerie Kai Hoelzner, 2009
"Klarinette W. Allen", mixed media, 2009
"The ghost of salvador dali which can be used as a shrout", mixed media, 2009
Pressrelease
KLARINETTE W. ALLEN
27. Juni bis 1. August 2009
Wer sich selbst in ein Kunstwerk verwandelt, bedarf auch der Stärkung seines alten Ichs, das in der Lage sein muss, die Binnenkräfte der Abspaltung vom früheren Selbst auszuhalten und den Star an die Sphäre der Sterblichen zurückzubinden. Ob Dixi oder Oh that Cello, ob Mama oder Iggy - personenförmige Kunstwerke brauchen einen Anker, die sie an die Welt bindet. sonst geht es ihnen wie Major Tom: Sie driften hinaus ins Nichts.
"It's so Lonely on a Limb" zeigt den Künstler eingeklemmt zwischen den Teilen seiner eigenen Skulptur. Zum Material seiner selbst geworden ist er bei dem Versuch, sich selbst in ein Werk zu verwandeln, zwischen die Mahlsteine der eigenen Arbeit geraten.
Er ist Opfer eines Effekts, der notwendig aus der ontologischen Differenz der Kunst entsteht. Wenn noch das Banalste sich in Kunst verwandeln kann, sofern es nur von Künstlerhand gemacht ist, dann lässt sich die Entscheidung darüber, wer ein Künstler sei und wer nicht, kaum mehr an die Werke zurück delegieren. Der Kurzschluss in der Künstler-Werk-Beziehung erzwingt immer öfter eine Neudefinition des Künstlerbegriffs, der zusehends aus einer Celebrity-Kultur abgeleitet wird. Nur der Star scheint noch als personenförmiges Kunstwerk pars pro toto für seine Werke einstehen zu können. Bevor sich ein Regal in Kunst verwandelt, muss sich der Künstler schon in ein personenförmiges Kunstwerk verwandelt haben.
Gripps Arbeiten schrammen hart an Memphis und dekonstruktivistischem Möbeldesign vorbei. Ihr überdrehter hand crafted look und ihre künstliche Patina leisten handfeste Verweise in die Sphäre "unterhalb" der Kunst. Anknüpfend an Dalis "Geist von Vermeer van Delft, der auch als Tisch benutzt werden kann" karikieren Gripps Arbeiten die "andere" Ontologie der Kunst und beschwören die Rückverwandlung eines Stars in Mobiliar. Gripps Arbeiten unterlaufen die gestörte Künstler-Werk-Differenz mit clownesken Verweisen (Hoola-Hoop > Exzentrik) und gefakten Kontaktanzeigen, stets in der Sehnsucht nach einer eigentlicheren, tieferen Beziehung zu Dingen und Menschen, als diese in der Kunst möglich ist.
Wo weder Klarinette noch Cello, weder Freund oder Familie helfen, die Zentrifugalkraft exzentrischer Selbstinszenierung auszugleichen, setzt eine zweite Verwandlung ein, vom Star hin zum pathologischen Charakter, dessen immer stumpfere Performance mit immer selbstreferentielleren Werken korreliert.