"Falcos Grab", Gallery Kai Hoelzner, Berlin
Stephan Gripp, “FALCOS GRAB”
22 Sep - 27 Okt 2007
FALCO, alias Hans Hölzel, war einzig überlebendes Kind einer Drillingsgeburt. Sein ganzes Leben und beinahe jede Liedzeile waren durch diese pränatale Begegnung mit dem Tod gefärbt. Die Lyrics entsprachen nicht nur seinem vermeintlich morbiden Wiener Charme und einem Mix aus Broken Glam und Gewalt-Klischees, sondern deckten zugleich den Zustand einer von verdrängten Erlebnissen unablässig verfolgten Psyche auf.
Ebenso augenfällig wie die Textebenen, in denen abstrakte Szenarien allgegenwärtiger Bedrohung im Drogen- und Prostitutionsmilieu („Jeanny“, „Ganz Wien“ oder „Der Kommissar“) skizziert werden, ist der musikalische Aufbau vieler FALCO-Songs. Funk- und Rap-Passagen sind immer wieder durchbrochen von Motiven, deren Melodik auf elementaren Strukturen von Kinderliedern beruht.
FALCO starb, einer finalen Selbstinszenierung folgend, durch einen Autounfall in der Dominikanischen Republik. "Wenn ich schon mal zu früh sterben sollte, dann wie James Dean - auf einer Kreuzung, im Porsche. Zack. Aus", sagte er 1982 in einem Interview.
Mit der Ausstellung "FALCOS Grab" des in Berlin lebenden Künstlers Stephan Gripp eröffnet die Galerie Kai Hoelzner. Bezug nehmend auf die Grabstätte FALCOS auf dem Wiener Zentralfriedhof entwirft Gripp ein Portrait des Unterbewusstseins Hans Hölzels. Dies geschieht nicht im Sinne einer Auraverklärung, sondern einer Psychografie.
Stephan Gripp verwendet bei seinen Skulpturen bevorzugt Span- und Kunststoffplatten, Spiegel und dekontextualisierte Materialien wie Leuchtstoffröhren und Wollfäden. Seine Arbeiten verweisen nicht nur durch Auswahl und Verarbeitung des Materials auf ein Interieur, das sich vor allem in Diskotheken oder Swinger-Clubs findet. Symbolisch möblieren sie jugendliche, sexuelle oder kulturelle Rückzugsräume. Ketten, Schläuche, expressionistische Kantigkeit und immer wieder monolithisches Schwarz und klinisches Weiß spitzen die Wirkung seiner Skulpturen auf eine psychologische Grundstimmung von Angst und Traumatisierung zu.
Wo die klassische Theorie der Psychoanalyse die Möglichkeit in Erwägung zieht, Zwänge und Perversionen zu sublimieren und libidinöse Energien in Kulturleistungen umzuleiten, zeigen Stephan Gripps Arbeiten, wie derart umgeleitete Affekte in neurotische oder psychotische Strukturen münden. Wie ein Spiegelbild bleiben sie Phantasmen, indem sie einen imaginären Rahmen bilden, etwa wenn sich die drei Penisse von FALCO und seinen totgeborenen Brüdern als Plastikschläuche auf dem Boden zusammenrollen. Oder auch dort, wo anstelle des Gesichts von Hans Hölzel am oberen Ende einer Stele Spiegelfliesen angebracht sind, in denen sich statt der Unendlichkeit nur die Deckenplatten des Galerieraums spiegeln. Der Himmel bleibt somit für Hölzel und auch den Betrachter unerreichbar, zumindest solange die Welt an die Klischees seiner Inszenierungen glaubt und diese weiterspinnt.
"Golden Energy"
"Prince Harry's Column", 50 cm x 70 cm